Herzlich willkommen bei der 7. ältesten Feuerwehr Bayerns.

Jahresbericht 1997

Die ersten Einsätze im neuen Jahr beschert uns eine streng Frostperiode. So rücken wir am Donnerstag, dem 2.Januar und am Samstag, dem 4.Januar zur Einmündung der Butzengünz in die Günz aus, um dort mit Hilfe der neuen Drehleiter, Motorsägen und Einreißhaken Eisschollen zu entfernen.

Am Freitag, dem 3.Januar werden wir zur Beseitigung eines Wasserschadens ins Frachtpostzentrum gerufen. Ein geplatzt er Sprinkler ist die Ursache.

12 Mann fahren am Sonntag, dem 5.Januar zu einem Wasserrohrbruch ins Obere Erlenbad. Mit Tauchpumpen und Wassersaugern entfernen wir das Wasser, das vom 1.OG bis in den Keller lief.

„Vollgelaufen“ sind auch die zwei Untergeschosse eines Abwasserpumpwerkes am Frachtpostzentrum. Am Montag, dem 6.Januar müssen 22 Kameraden unserer Wehr sowie die FF Deffingen sämtliche Tauchpumpen, Wassersauger und sogar die Pumpe unseres LF 16 einsetzen, um die Wassermassen zu beseitigen.

Viele weitere Einsätze solcher Art halten unsere Wehr noch einige Tage „auf Trab“. Aber die tiefen Temperaturen lassen auch die Seen und Weiher zufrieren, so daß uns die Möglichkeit geboten wird, den Eisschlitten unseres Schlauchbootes auszuprobieren.

Sicherheitshalber für zwei Stunden evakuieren müssen wir am Donnerstag, dem 16.Januar den Kindergarten „Zur schönen Aussicht“ in Wasserburg. Eine Erzieherin stellte Gasgeruch fest. Mit dem KdoW, dem TLF 24/50 und dem GW-G rücken um 9.57 Uhr acht Mann unserer Wehr aus. Messungen ergeben, daß sich im Füllschacht eines Flüssiggastanks ein explosives Gasgemisch gebildet hatte. Nach dem abdichten der Leckage durch eine Fachfirma belüften wir das gesamte Kindergartengebäude und beenden unseren Einsatz um 12.10 Uhr.

Zu einem Scheunenbrand in Deffingen werden wir am Freitag, dem 7.Februar um 23.51 Uhr gerufen. 28 Kameraden rücken in 7 Fahrzeugen aus. Zusammen mit der FF Deffingen können wir den Brand eines in der Scheune abgestellten Motorbootes schnell löschen. Zum Einsatzumfang zählt auch das Ausleuchten der Einsatzstelle. Einsatzende ist gegen 1.21 Uhr. Der Sachschaden beträgt ca. 25.000 DM.

Großalarm für Günzburg am Samstag, 8.März um 13.25 Uhr: „Es brennt das ehemalige Zollhaus am Stadttor“! 69 Mann der Feuerwehren aus Günzburg, Reisensburg, Wasserburg und der Werkfeuerwehr des BKH treffen in 9 Löschfahrzeugen nach kurzer Zeit am Einsatzort ein. Das Dachgeschoß des denkmalgeschützten Gebäudes brennt in vollem Ausmaß. Nachdem sich keine Personen mehr im Haus befinden, gilt es jetzt, ein Übergreifen des Feuers auf das Obergeschoß und das Erdgeschoß zu verhindern. Weiterhin müssen die in der Nähe befindliche Trafostation sowie benachbarte Häuser vor den Flammen geschützt werden. Währen die Männer der Stadtteilwehren die Wasserversorgung für die Drehleiter und beide TLF aufbauen, rüsten sich unsere Angriffstrupps mit schwerem Atemschutz aus. Mit 5 C-Rohren sowie dem Wenderohr der Drehleiter wird der Brand bekämpft und rasch unter Kontrolle gebracht. Trotzdem wird das Dachgeschoß völlig zerstört und das Obergeschoß schwer beschädigt. Doch ein Übergreifen der Flammen auf das Erdgeschoß können wir verhindern. Da die Grundmauern intakt bleiben, kann das Zollhäuschen bald nach dem Brand wieder aufgebaut werden. Die Ursache für diesen Brand war vermutlich ein defekter Kamin; der Sachschaden beträgt ca. 200.000 DM.

Zu einem unbehaglichen Einsatz müssen am Sonntag, dem 9.März um 5.04 Uhr 12 Wehrmänner ausrücken. Ein LKW hat einen alkoholisierten 26jährigen Fußgänger auf der BAB A8 bei km 98,65 in Richtung Stuttgart erfaßt und schwer verletzt. Wir leuchten die Fahrbahn zur Unfallaufnahme aus und reinigen anschließend die Fahrbahn. Am nächsten Tag erfahren wir, daß der Verunglückte im Augsburger Zentralklinikum seinen schweren Kopfverletzungen erlegen ist.

Wieder auf die BAB A8 müssen wir am Sonntag, 16.März, um 18.48 Uhr ausrücken: „Schwerer VU mit eingeklemmter Person bei km92,15 in Richtung München“. Ein BMW aus Augsburg gerät ins Schleudern, prallt gegen die Mittelschutzplanke, trifft einen zweiten PKW, überschlägt sich im Grünstreifen und bleibt auf dem Dach liegen. Beide Insassen werden schwer verletzt. Bei unserem Eintreffen sind sämtliche Personen von Passanten und den Helfern des BRK bereits befreit, so daß sich unser Einsatz auf das Ausleuchten der Unfallstelle sowie die Bergung der Fahrzeuge beschränkt.

Bestens bewährt hat sich unsere neue Drehleiter bei einem Einsatz am Mittwoch, den 19. März. Auf Anforderung des BRK wird durch ein Fenster im 1.OG eines Hauses in der Krankenhausstraße mit Hilfe der Krankentragenhalterung im Korb der Drehleiter eine verletzte Person gerettet. Durch das enge Treppenhaus im Gebäude war keine andere Rettungsmöglichkeit vorhanden.

Gleich mit zwei Drehleitern rückten wir am Samstag, dem 5. April nach Leipheim aus. Eine Person befindet sich auf dem Dach eines Wohnhauses und droht zu springen. Die Einsatzkräfte bringen die Drehleitern, das Sprungpolster der WF BKH, das Sprungtuch der FF Leipheim und unseren neuen Sprungretter in Stellung. Nach viel Überzeugungsarbeit ergreifen wir den Mann und bringen ihn mit der DLK23/12 sicher zur Erde.

Amtshilfe für die Polizei leisten wir am Samstag, 19. April. Am Baggersee in der Nähe des ehemaligen Munitionslagers Riedheim löst die Polizei ein illegales Skinhead-Treffen auf. Um die über 100 Personen im Überblick zu behalten, leuchten wir zusammen mit der FF Leipheim das Areal weiträumig aus. Im Hof der Polizeiinspektion Günzburg geht es dann weiter. Zur Überwachung der 80 Festgenommen leuchten wir ebenfalls aus. Einsatzzeit: 7 Stunden.

Ein Ölunfall beschäftigt sieben Wehrmänner am Freitag, dem 2.Mai ab 14.02 Uhr. Um Heizöltanks aufzufüllen, fährt der Fahrer eines Tankwagens die steile Einfahrt eines Wohnhauses rückwärts hinauf. Vermutlich durch ein defektes Entlüftungsventil laufen etwa 2000 Liter Heizöl über das Führerhaus des LKW die Einfahrt hinunter in einen Kanal. Wir binden das Öl und reinigen die Fahrbahn sowie die Einfahrt. Um 15.42 Uhr kehren wir an diesem heißen Nachmittag zum Gerätehaus zurück.

Ein Jogger bemerkt am Samstag, dem 3.Mai am Albert-Benz-Weg einen Waldbrand und alarmiert die Feuerwehr. Mit dem TLF16/24, dem TLF24/50, der DLK23/12, dem LF16 und dem KdoW rücken 21 Mann unserer Wehr um 16.02 Uhr zur Brandstelle aus. Wir setzten 3 C-Rohre ein, um das Bodenfeuer auf 2000m² zu löschen. Die Brandbekämpfung gestaltete sich insofern schwierig, da das Feuer immer wieder durch das Laub und Gras am Boden schlägt, und wir daher mit Gabeln und Schaufeln die Brandnester aufspüren müssen. Nachdem das Feuer, das den Baumbestand noch nicht ergriffen hatte, gelöscht war, befeuchten wir noch die angrenzenden Flächen und fahren gegen 18.02 Uhr wieder zum Gerätehaus.

Glück im Unglück hatte der Fahrer eines Triumph am Montag, dem 2.Juni. Auf der BAB A8 bei km 102,6 hatte er eine Panne und stellte den wagen auf der rechten Fahrspur ab, da es in diesem Bereich keine Standspur gibt. Gerade rechtzeitig stieg er aus seinem Sportwagen aus, denn ein nachfolgender Sattelzug walzte den PKW förmlich platt und schleifte ihn ca. 50 m mit. Schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt wird der Fahrer des PKW ins KKH Günzburg gebracht. Der LKW-Fahrer erleidet einen Schock und wird ebenfalls zur Behandlung ins Krankenhaus gefahren. Wir werden zur Absicherung der Unfallstelle sowie zur Reinigung der Fahrbahn gerufen.

Am Samstag, dem 14.Juni rücken wir zu vier Hochwassereinsätzen aus. Nach sintflutartigen Regenfällen steht in zahlreichen Kellerräumen das Wasser. Ab 17.22 Uhr sind wir im Dauereinsatz. Wir kehren gegen 20.45 Uhr ins Gerätehaus zurück.

Ein 22jähriger Mann wird am Mittwoch, dem 2.Juli bei einem VU auf der B16 tödlich verletzt. Aus ungeklärter Ursache kam der Wagen auf der Gegenfahrbahn ins Schleudern, 75m später kam er recht von der Fahrbahn ab. Hier prallte er zunächst gegen einen Telegraphenmasten und wickelte sich dann mit der Fahrerseite um eine Birke. Wir werden um 6.02 Uhr alarmiert, um die Leiche aus dem total demolierten Opel zu bergen. Schere und Spreizer werden eingesetzt. Anschließend sperren wir die Bundesstraße zur Unfallaufnahme durch einen Sachverständigen. Der Einsatz wird nach 4 Stunden beendet.

Vandalismus ruft 7 Männer unserer Wehr am Abend des 3.Juli auf den Marktplatz, wo ein Unbekannter die Schaufensterscheibe eines Geschäftes eingeschlagen hat. Wir sichern das Fenster mit Kanthölzern und Schaltafeln gegen unbefugten Zugriff. Unser Einsatz Dauer eine gute Stunde.

Gefahrguteinsatz im Frachtpostzentrum Günzburg am Samstag, den 26.Juli um 3.10 Uhr. Ein Päckchen ist aufgeplatzt und verteilt seinen gefährlichen Inhalt über einen Teil der Förderanlage. 25 Mann rücken mit dem KdoW, dem TroLF250, dem TLF24/50, dem GW-G, dem RW2 und dem Vers-LKW aus. Ein Trupp in Chemie- Vollschutzanzügen bringt das Päckchen in einer Kunststoffwanne ins Freie. Hier können Absender und Empfänger abgelesen werden. Durch Rückfrage beim Absender erfahren wir, daß es sich bei der ausgelaufenen Flüssigkeit um 95-97%ige Schwefelsäure handelt. Ein weiterer Trupp in Vollschutz beseitigt daraufhin größere Verunreinigungen in der Halle mit speziellen Säurebindern. Kleinere Verunreinigungen werden von einem Trupp entfernt, der Mit Preßluftatmern und Gummistulphandschuhen aus gerüstet ist. Nach dieser Arbeit belüften wir die Halle ausgiebig. Außer dem werden von uns andere, stark verschmutze Päckchen an die Post zur Umverpackung über gegeben. Die verschmutzten Reinigungsmaterialien geben wir an eine Günzburger Chemiefirma zur weiteren Entsorgung. An der Einsatzstelle waren auch einige RTW des BRK, der Organisatorische Leiter des Roten Kreuzes sowie der Spezial-RTW für Gefahrgut aus Weißenhorn. Eine Angestellte mußte vom Rettungsdienst versorgt werden. Der Einsatz wird gegen 7 Uhr beendet.

Auch in der darauffolgenden Nacht (26.Juli) kommen unsere Wehrmänner nicht zum Schlafen. Wir gegen 22 Uhr zu einem Verkehrsunfall mit mehreren Verletzten gerufen. 20 Mann rücken in 5 Fahrzeugen zu der Einsatzstelle in der Muna-Senke aus. Ein Kleinbus, besetzt mit sieben Personen, fuhr gegen einen Baum. Wir helfen dem BRK bei der Versorgung der Verletzten und leuchten die Unfallstelle großräumig aus. Vergeblich suchen wir noch Stunden, zusammen mit einem Hundeführer der Polizei nach einem verletzten Mann, der sich später im Krankenhaus meldet.

Am 28.Juli (Montag) meldet sich um 12.47 Uhr der Piepser: „Pkw-Brand auf der A8 bei km91,3 in Richtung München!“ Eine Alfa-Fahrerin bemerkt Rauchschwaden aus dem Motorenraum. Sie bringt ihr Fahrzeug gerade noch zum Stehen. 16 Mann löschen den Vollbrand des PKW mit Schaum und Wasser innerhalb kürzester Zeit. Anschließend Reinigen wir die Fahrbahn.

Vermutlich ein Wettrennen zwischen einem Porsche und einem TVR(Eigenbau) war die Ursache für einen tödlichen VU am 9.August. Mit stark überhöhter Geschwindigkeit rasen die beiden Fahrzeuge über die Autobahn. Bei einem Ausweichmanöver verliert der Lenker des TVR die Kontrolle über sein Fahrzeug, gerät ins Schleudern, kommt nach recht von der Fahrbahn ab und überschlägt sich mehrfach. Dabei erleidet er tödliche Verletzungen. Wir werden gegen 20.44 Uhr alarmiert und rücken kurz darauf mit 18 Mann zur Unfallstelle. Unsere Aufgabe ist das Bergen der Leiche, die Reinigung der Fahrbahn sowie die Ausleuchtung der Unfallstelle zur Aufnahme durch einen Sachverständigen. Betroffen fahren wir gegen 0.15 Uhr zum Gerätehaus zurück.

Eine defekte Stereoanlage löst am 3.Oktober einen Zimmerbrand in Leinheim aus. Um 15.36 Uhr erreicht uns der Alarm. Noch vor unserem Eintreffen ist der Brand von Nachbarn und der Ortsteilwehr gelöscht. Durch die enorme Russbildung entsteht ein Sachschaden von 50.000 DM.

Am Sonntag, dem 5. Oktober ereignet sich auf der Staatsstraße 2028 in Höhe Kapelle Reisensburg wieder ein schwerer VU. Alarm für unsere Wehr um 12.26 Uhr. Beim Eintreffen bietet sich den 26 eingesetzten Männern ein Bild der Verwüstung, Ein in Richtung Offingen fahrender, mit zwei Personen besetzter Opel prallt frontal in einen Geländewagen. Durch die Wucht des Aufpralls wird der Motorblock des Opel herausgerissen und die gesamte Front zerstört. Der Land Rover landet total demoliert auf dem Radweg. Der schwerverletzte Fahrer des Opel wird mit dem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik Ulm geflogen. Seine dreijährige Tochter wird mit mehreren Knochenbrüchen ins KKH Günzburg eingeliefert. Die vier Insassen des Rover werden leicht verletzt. Wir unterstützen die Helfer des BRK bei der Versorgung der Verletzten, leiten den Verkehr weiträumig um die Unfallstelle, helfen bei der Unfallaufnahme durch einen Sachverständigen und reinigen die Fahrbahn. Um 15.46 Uhr kehren wir ins Gerätehaus zurück.

Zur Ausleuchtung, Absicherungsarbeiten und Fahrbahnreinigung nach einem VU werden wir am Montag, dem 27. Oktober um 23.07 Uhr auf die BAB A8 bei km 96,9 in Richtung Stuttgart gerufen. Bei diesem VU wird ein Hinterrad des verunglückten Fahrzeugs auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Dadurch kommt es in der Gegenrichtung ebenfalls zu einem Unfall: bei einem Ausweichmanöver fährt ein Wagen aus Augsburg auf ein weiters Auto auf. Dieser PKW überschlägt sich und bleibt auf dem Dach liegen. Doch die Fahrzeugführerin wird nur leicht verletzt. Auch hier sind Ausleuchten, Absichern und Reinigung der Fahrbahn unsere Einsatzaufgaben. Bei beiden Unfällen entsteht ein Sachschaden von insgesamt ca. 43.000 DM.

Wie so oft, müssen wir am Freitag, dem 7. November ab 16.22 Uhr zu einem Öleinsatz ausrücken, Ein LKW-Fahrer hat eine mehrere Kilometer lange Dieselspur verursacht. In jeder Linkskurve der Reisensburger-, Dillinger-, Lochfelben-, Rudolf- Diesel- und Daimlerstraße binden wir den ausgelaufenen Treibstoff. 18 Wehrmänner sind bis 17.22 Uhr im Einsatz.

Nachts um 2.07 Uhr am Montag, 22. Dezember, reißt uns das Piepsen des Funkweckers aus dem Schlaf: „Brand im Kühlraum der Fa. Kretschmer an der Dillinger Straße!“ In sechs Fahrzeugen rücken 32 Wehrmänner aus. Bei unserem Eintreffen bemerken wir kaum etwas von dem Brand. Der Grund: das Feuer hat sich wegen Sauerstoffmangels selbst gelöscht, so daß wir nur noch Nachlöscharbeiten durchführen müssen. Den verrauchten Kühlraum belüften wir mit Hilfe des Thypoon. Ursache des Brandes, bei dem ein Sach- schaden von rund 100.000 DM entstand, ist vermutlich ein überhitzter Kamin.

Einer unserer letzten Einsätze im Berichtsjahr fahren wir am Dienstag, dem 30. Dezember: An der neuen Kreuzung Dillinger Straße/B16 neu, stossen ein LKW und ein PKW zusammen. Es wird niemand verletzt. Um 11.38 Uhr werden 11 Mann alarmiert und binden ausgelaufenes Öl und Kühlerflüssigkeit. Außerdem säubern wir die Fahrbahn von Scherben und Fahrzeugteilen. Um 12.28 Uhr rücken wir wieder ins Gerätehaus ein.