`Mit blauem Auge davongekommen`

Aufatmen in Günzburg: Die Überschwemmungen von Häusern bleiben aus. Um 6.30 Uhr erreicht die Donau am Montag den Pegel-Höchststand von 3,71 Metern. Jetzt entspannt sich die Lage. Von Berthold Veh

In Günzburg hat die Donau an wenigen Stellen ihr Bett verlassen und Uferbereiche überflutet. Der Höchststand wurde Montag früh erreicht. Viele Forst- und Radwege in Flussnähe waren gestern noch gesperrt. Das Vereinsheim der Kanuabteilung des VfL Günzburg wurde vollständig umspült. Mit Sandsäcken schützten die Kanuten den Eingang. Foto: Bernhard Weizenegger Wasserweg statt Radelstrecke: So präsentierte sich am Montag der Donau-Radweg. Foto: Bernhard Weizenegger

 Roman Gepperth ist müde, aber erleichtert. Zusammen mit zwei Kollegen hat der Sachgebietsleiter Katastrophenschutz am Günzburger Landratsamt am Wochenende stündlich die Entwicklung der Pegel an Donau, Günz, Kammel und Mindel beobachtet. An der Donau in Günzburg spitzte sich die Lage am Sonntagabend zu. Gut 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk füllten etwa 4000 Sandsäcke.

Am nördlichen Donau-Ufer beim Kraftwerk und in der Höhe des Waldbades errichteten die Helfer Barrieren. Der Einsatz hat sich gelohnt. Es liefen zwar Keller voll, weil Grundwasser durch die Wände drückte, informierte der Kommandant der Günzburger Feuerwehr, Christian Eisele, eine Überschwemmung der Häuser sei aber ausgeblieben. Den Pegel-Höchststand hatte die Donau am Montag um 6.30 Uhr mit 3,71 Metern erreicht (siehe Info-Kasten). Der reißende Fluss blieb damit deutlich unter dem Höchstwert vom 24. August 2005, als der Pegel 4,03 Meter erreichte.

Am Montagmittag gab Gepperth Entwarnung. `Die Lage entspannt sich langsam`, sagte der Sachgebietsleiter. Um 12 Uhr war der Pegel auf 3,35 Meter gesunken. Das Hochwasser gehe langsam zurück, so Gepperth: `Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.` Es sei auch kein Katastrophenfall gewesen, wie von manchen Bürgern zu hören war, sondern ein `koordinierungsbedürftiges Ereignis unterhalb der Katastrophenschwelle`. Deshalb, so Gepperth, sei Brandmeister Bernhard Ziegler zum örtlichen Einsatzleiter bestellt worden.

Kommandant Eisele zeigte sich erleichtert: `Die Schutzmaßnahmen haben gegriffen.` In Günzburg habe die Feuerwehr mehrere vollgelaufene Keller leer pumpen müssen, weil Grundwasser von außen durch die Wände drang. Die Zusammenarbeit mit Stadtverwaltung und Landratsamt habe hervorragend geklappt. Mit den Mitarbeitern der Verwaltung waren am Sonntag 132 Menschen allein in Günzburg im Hochwasser-Einsatz. Überschwemmt wurden unbebaute Grundstücke entlang der Donau. Zwei Drittel der Fläche des Waldbades, der Volksfestplatz und der Trimm-dich-Pfad wurden ebenso überflutet wie der Donau-Radweg.

Kreisbrandrat Robert Spiller geht ebenfalls davon aus, `dass die Sache jetzt durch ist`. Etwa 90 Einsätze hätten die Landkreis-Feuerwehren in den vergangenen drei Tagen im Landkreis bewältigt, Hunderte von Helfern waren vor Ort. Oft seien es Erkundungsfahrten gewesen, so Spiller. Schäden an Gebäuden dürften sich in Grenzen halten, sagte der Kreisbrandrat: `Genaue Daten liegen uns allerdings nicht vor.`

Einen positiven Aspekt hat das Hochwasser zumindest für Autofahrer, die gerne zu schnell unterwegs sind. Die Polizei hat einen `24-Stunden-Blitzmarathon` mit schwerpunktmäßigen Geschwindigkeitskontrollen in Bayern abgesagt. Auch im Landkreis Günzburg wäre dabei bis 11. Juni verschärft kontrolliert worden, bestätigt Sprecher Christian Owsinski vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West: `Die zur Unterstützung eingeplante Bereitschaftspolizei ist jetzt im Hochwassereinsatz.`

 
Quelle: www.augsburger-allgemeine.de – Stand: 04.06.2013 – 17:08 Uhr