72-Jähriger fängt bei Waldarbeiten plötzlich Feuer

Haldenwang – Es waren dramatische Szenen, die sich am Samstagnachmittag in einem Wald nördlich von Haldenwang abgespielt haben: Ein 72 Jahre alter Waldbesitzer erlitt schwere Verbrennungen, als ein Feuer außer Kontrolle geriet.

Der Körper des Mannes fing Feuer – sein Sohn, der dem Rentner zu Hilfe eilen wollte, wurde ebenfalls schwer verletzt. Die Bilder, die sich den Einsatzkräften an der Unglücksstelle boten, werden die Helfer sicher nicht so schnell vergessen – einige jüngere Feuerwehrleute mussten nach dem Einsatz sogar seelsorgerisch betreut werden.

Eigentlich hatten die beiden Männer nur Gras und Reisig verbrennen wollen, als das Unglück geschah: Die Flammen breiteten sich unkontrolliert aus, ein großer Teil des Privatwaldes begann zu brennen. Beim Versuch, den Brand zu löschen, griff das Feuer auch auf den 72-Jährigen über. Sein Sohn konnte dem Mann nicht helfen – er zog sich selbst Brandverletzungen an beiden Händen zu, als er seinen Vater aus den Flammen befreien wollte.

Gegen 15.02 Uhr ging bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr der Alarm ein – das Signal für einen Großeinsatz mit mehr als 200 beteiligten Einsatzkräften. Der Schwerverletzte wurde mit dem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Bogenhausen geflogen, sein Sohn ins Krankenhaus Günzburg gebracht. Durch den Brand wurden laut Polizeiangaben rund 30 000 Quadratmeter Gestrüpp und etwa fünfjähriger Baumbestand vernichtet. Der Sachschaden: rund 60 000 Euro.

„Wir hatten am Samstag 160 Feuerwehrleute vor Ort“, so der Einsatzleiter Kreisbrandinspektor Hubert Krimbacher (Ettenbeuren) gegenüber der GZ. Feuerwehrfrauen und -männer aus Jettingen, Scheppach, Offingen, Burtenbach, Hafenhofen, Haldenwang, Eichenhofen, Konzenberg, Schnuttenbach, Günzburg und Burgau rückten zur Brandbekämpfung aus. Zusätzlich kamen noch zahlreiche Landwirte mit Jauchefässern voller Wasser, um beim Löschen zu helfen.

Auch der Rettungsdienst hatte unter Führung des organisatorischen Leiters des BRK Günzburg, Reinhold Attenhauser, ein Großaufgebot von 35 Personen im Einsatz. Neben drei Rettungswagen und dem Rettungs-Hubschrauber waren zwei Notärzte, ein Leitender Notarzt, die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung, die Schnelleinsatzgruppe Sanitätsdienst aus Krumbach vor Ort. Der Kriseninterventionsdienst des Landkreises Günzburg und Notfallseelsorger Joachim Böhm betreuten die Angehörigen der Opfer und einige der Jugendfeuerwehrleute, die als Erste mit den schweren Brandverletzungen der beiden Männer konfrontiert worden waren.

Vom Landratsamt war die Führungsgruppe Katastrophenschutz, vertreten durch Gernot Korz, vor Ort. Haldenwangs Bürgermeister Georg Holzinger war ebenfalls zur Unglücksstelle geeilt, um sich einen Überblick über das Ausmaß der Schäden zu verschaffen.

Ein Polizeihubschrauber aus München flog nach den Löschmaßnahmen vorsorglich etliche Male das Waldstück ab, um nach eventuell verbliebenen Glutnestern Ausschau zu halten. Erst gegen 20 Uhr, so Einsatzleiter Hubert Krimbacher, war der Einsatz beendet.

Aus der GZ vom 31.03.08

Nach Waldbrand: 72-Jähriger erliegt Verletzungen

Haldenwang – Der 72-Jährige, der sich bei einem Brand am Samstag schwerste Verbrennungen zugezogen hat, ist gestorben. Wie die Polizeidirektion Krumbach erst gestern erfahren hatte, war der Mann noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag gegen 1.10 Uhr in einer Spezialklinik in Bogenhausen nahe München seinen Verletzungen erlegen.

Sein Sohn, der ihm zu Hilfe geeilt war und sich ebenfalls Verbrennungen an den Händen zugezogen hatte, wird weiterhin im Krankenhaus Günzburg behandelt. Der Rentner hinterlässt eine Ehefrau, drei erwachsene Söhne und eine Tochter.

Wie berichtet, wollten der 72-jährige Waldbesitzer und sein Sohn am Samstagnachmittag in ihrem Wald nördlich von Haldenwang/Eichenhofen Gras und Reisig verbrennen. Dabei gerieten die Flammen jedoch außer Kontrolle, ein großer Teil des Privatwaldes begann zu brennen. Als der Rentner versuchte, den Brand zu löschen, fing er selbst Feuer.

Wie Kreisbrandinspektor Hubert Krimbacher, der am Samstag Einsatzleiter bei dem Großeinsatz war, mitteilte, hatte es der Sohn noch geschafft, seinen Vater aus den Flammen zu befreien. Er habe ihn auf einen landwirtschaftlichen Hänger gelegt und sei aus dem Wald herausgefahren. Dort habe ihn die Polizei um Hilfe rufend gefunden.

Krimbacher sprach gestern von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Trotz eines dramatischen Großeinsatzes mit über 200 beteiligten Einsatzkräften habe man aber auch noch Glück im Unglück gehabt. „Es hätte alles noch viel schlimmer kommen können“, urteilt Krimbacher. Hätten nicht vorbeikommende Reiter geistesgegenwärtig per Handy einen Notruf abgegeben, hätte der gesamte Wald brennen können, glaubt Krimbacher. Als er selbst am Unglücksort eintraf, seien die Flammen bereits zehn Meter hoch geschlagen.

Die elf alarmierten Feuerwehren hätten gerade noch verhindern können, dass das Feuer auf den Hochwald übergreife. Dabei kam den Floriansjüngern laut Krimbacher zugute, dass nicht weit von der Brandstelle entfernt ein Bach floss, „ohne dieses Wasser hätten wir es nicht so schnell geschafft“, ist sich Krimbacher sicher. Große Hilfe hätten auch die Landwirte geleistet, die sechs Güllefässer voller Wasser zum Löschen bereitstellten.

Als dritten „Glücksfall“ nennt der Einsatzleiter den Rettungshubschrauber. In der Zeit, in der die Schwerverletzten transportfähig gemacht wurden, sei der Hubschrauber mit einem Feuerwehrmann an Bord noch einmal in die Luft gestiegen. „Der konnte uns aus der Luft dirigieren, uns Gefahrenschwerpunkte mitteilen, die wir unten am Boden gar nicht gesehen haben“, erzählt Krimbacher.

Insgesamt war der Einsatz aus Sicht Krimbachers einer der heftigsten der vergangenen Jahre. „Von der Dramatik her wüsste ich nichts Vergleichbares.“ Die Bilder, die sich den Einsatzkräften an der Unglücksstelle boten, würden die Helfer sicher nicht so schnell vergessen – einige jüngere Feuerwehrleute mussten nach dem Einsatz sogar seelsorgerisch betreut werden.

Aus der GZ vom 01.04.08

Dieser Bericht wird durch den KFV Günzburg bereitgestellt.