Groß-Evakuierung nach Bombenfund

Größter Hilfseinsatz auch mit Helfern aus dem Landkreis

Von unserem Redakteur Georg Schal)

Günzburg/Dillingen

Nach
dem Fund einer 20 Zentner schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten
Weltkrieg in der Nähe des Günzburger Bahnhofs ist am Samstagabend eine
der größten Hilfsaktionen in der jüngeren Geschichte der Stadt
angelaufen. Ehe Experten des Sprengkommandos München gegen 23 Uhr die
Bombe entschärfen konnten, mussten im Umkreis von 500 Metern um die
ehemalige Tierzuchthalle am Auweg sämtliche Häuser, Firmengebäude und
Einrichtungen evakuiert sowie Straßen und Bahnstrecke gesperrt werden.
Auch der belebte Marktplatz wurde für rund zwei Stunden geräumt.

Als
die Nachricht vom Fund einer scharfen Bombe, nur 150 Meter vom Bahnhof
entfernt, die Runde machte, richtete das Rote Kreuz zunächst eine
Notaufnahmestation an der Wache in der Parkstraße ein. Dazu waren
bereits die Schnelleinsatzgruppen „Sanitäter“, „Betreuung“ und
„Technik“ mit 30 Helfern im Einsatz, berichtete der Organisatorische
Leiter Reinhold Attenhauser. Hinzu kamen die Besatzungen von zwei
Rettungswagen, die Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleiter und ein
Leitender Notarzt.

Als aber bekannt wurde, dass der Sperrgürtel
wegen der Größe der Bombe größer werden musste, wurde die
Aufnahmestation in die Kantine eines Günzburger Unternehmens verlegt.
Firmenchef und Stadtrat Ferdinand Munk (Günzburger Steigtechnik), der
zusammen mit 2. Bürgermeister Anton Gollmitzer an den Auweg gekommen
war, erklärte sich spontan bereit, seine Räumlichkeiten im
Industriegebiet zur Verfügung zu stellen. Dort in zwei Speisesälen
wurden auch Gehbehinderte und Bettlägrige versorgt.

Rund 40 Einsatzwagen

Das
Rote Kreuz zog sämtliche verfügbaren Kräfte aus dem Kreis Günzburg und
den benachbarten Landkreisen zusammen. 113 Helfer diverser
Schnelleinsatzgruppen aus Günzburg, Neu-Ulm, Dillingen, Augsburg und
Unterallgäu rückten in Günzburg an. An der Alten Pforte beim
Bezirkskrankenhaus reihte sich Einsatzwagen an Einsatzwagen: Rund 40
wurden gezählt, die bis Reisensburg standen. Später musste auch noch
das Kriseninterventionsteam des BRK verständigt werden.

Von der
Evakuierung betroffen waren rund 1500 Menschen. Die Freiwilligen
Feuerwehren sperrten Straßen und Wege (u.a. den Donauradwanderweg) ab
und forderten in mehreren Lautsprecher-Fahrzeugen die betroffenen
Anwohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Auch die Polizei löste
Großalarm aus. Neben der Inspektion Günzburg waren der Einsatzzug
Krumbach und die Bahnpolizei Augsburg nach Günzburg geeilt. Die Beamten
veranlassten zudem Radio-Durchsagen.

Um die Bombe sicher
entschärfen zu können, mussten das Waldbad, wo sich am Nachmittag rund
500 Badegäste aufhielten, die Frauenkirche, der komplette Marktplatz,
die Bundesstraßen 10 und 16 sowie weitere Straßen im Stadtgebiet
gesperrt werden. Die Rettungskräfte räumten das Kloster bei der
Frauenkirche. Acht Schwestern des Maria-Ward-Institutes mussten die
Einrichtungen vorübergehend verlassen. Betroffen waren auch Bewohner
der Mehrfamilienhäuser im Mozartring. Große Auswirkungen hatte der
brisante Fund auch auf die Bahnlinie Augsburg-Ulm. Dort ging ab 18.48
Uhr gar nichts mehr. Die Züge wurden großräumig umgeleitet.

Bauarbeiter,
die zurzeit die ehemalige Tierzuchthalle nahe der Bahnlinie abreißen,
waren am Samstag gegen 15.50 Uhr auf die Bombe gestoßen. Sie
verständigten die Polizei. Erst als Fachleute des Sprengkommandos
München um 18.37 Uhr am Fundort eingetroffen waren und den brisanten
Fund inspiziert hatten, wurde das Ausmaß klar. Sprengmeister Günter
Hanft: „Ich mache den Job schon seit mehr als 30 Jahren. Das ist meine
349. Bombe. Aber ein solches Teil habe ich noch nie gesehen.“

Nach Auskunft des Sprengmeisters wiegt das ehemalige Modell der US-Armee eine Tonne und hat zwei so genannte Aufschlagzünder.

‹zzz-logo-F›Blick nach Günzburg

Aus Günzburger Zeitung vom 12.06.2006