Hotelgäste wurden unsanft geweckt



Evakuierung des Mercure-Hotels als Vorsichtsmaßnahme

Von unserem Redakteur Alf Geiger

Günzburg

Mitten
in der Nacht um kurz nach 3 Uhr wurden die 67 Gäste und Mitarbeiter des
Günzburger Hotels „Mercure“ beim Forum am Hofgarten aus dem Tiefschlaf
gerissen: Das ganze Hotel wurde vorsichtshalber evakuiert, nachdem in
einem Friseursalon im Gebäudekomplex ein Feuer ausgebrochen war. Der
Salon brannte völlig aus, der Sachschaden wird auf mehrere
hunderttausend Euro geschätzt. Die Kripo ist sich sicher, dass das
Feuer absichtlich gelegt wurde. Am Tatort wurde unter anderem ein
Benzinkanister sichergestellt. Über das Motiv kann derzeit nur
gerätselt werden. Menschen kamen nicht zu Schaden.

In dem großen,
modernen Gebäude am Hofgarten sind neben dem Hotel noch zahlreiche
Geschäfte und Wohnungen untergebracht. In der Nacht zum Montag
schliefen 63 Hotelgäste tief und fest, als sie unsanft aus dem Schlaf
gerissen wurden. Reiko Papendick aus dem hessischen Bad Arolsen war
erst gegen Mitternacht in Günzburg angekommen und hatte sich noch bis
etwa 2 Uhr nachts auf eine Schulung vorbereitet, die er gestern für
leitende Servicemitarbeiter der Automarke Volvo hielt. Kaum hatte er
sich jedoch ins Bett gelegt und war eingeschlafen, wurde er und andere
Hotelgäste vom Personal und Feuerwehrmännern aus den Betten gebrüllt.
Reiko Papendick öffnete irritiert die Tür ­ und vor ihm stand ein
uniformierter Feuerwehrmann, der schrie: „Feueralarm. Raus! Raus! Alles
raus!“

Er habe nur noch einige persönliche Dinge zusammen gepackt
(„Mein Laptop musste natürlich mit“) und sei ins Freie gegangen, wo
schon die meisten der übrigen Hotelgäste ­ darunter auch zwei Familien
mit kleinen Kindern ­ warteten. Der Service-Spezialist aus Hessen war
noch Stunden später erstaunt und beeindruckt, wie reibungslos der
Rettungseinsatz und die Evakuierung des Hotels vonstatten gegangen war:
„Das war schon sehr professionell organisiert und strukturiert“, lobte
er die Retter. Innerhalb weniger Minuten sei die Menschentraube dann
vom Vorplatz des Hotels in das Foyer des Forums gebracht worden, wo
schon Getränke bereit standen.

Dies habe auch dazu beigetragen,
dass sich die Angst der Evakuierten in Grenzen gehalten habe. Schnell
sei absehbar gewesen, dass das Feuer aus dem Friseursalon nicht auf das
Hotel übergreifen werde. Innerhalb von knapp einer Stunde hatten die
herbei geeilten Retter den Brand unter Kontrolle und wenig später waren
auch die letzten Glutnester gelöscht. In der Zwischenzeit hatten
Feuerwehrmänner mit schweren Atemschutzgeräten alle Räume des
Gebäudekomplexes durchkämmt und nach Menschen abgesucht ­ doch auch
diese Vorsichtsmaßnahme sollte sich als unnötig erweisen, da sich alle
Personen rechtzeitig selbst in Sicherheit gebracht hatten.

Die
starke Rauchentwicklung war in einem Friseursalon entstanden, der sich
im nordöstlichen Gebäudeteil befindet. Die Retter mussten unter anderem
gegen eine ungewöhnlich hohe Hitzeentwicklung ankämpfen, teilweise
wurden Temperaturen von mehr als 1000 Grad gemessen. Dennoch lief der
Löscheinsatz unter Leitung des Günzburger Feuerwehrkommandanten
Christian Eisele reibungslos und routiniert ab. Dank dem schnellen
Eingreifen der Retter konnte auch verhindert werden, dass eine ganze
Reihe von Spraydosen unter der starken Hitze explodierten und größeren
Schaden anrichteten. Insgesamt waren mindestens 150 Retter der
Feuerwehren aus Günzburg, Reisensburg, Wasserburg , von der
Werksfeuerwehr des BKH, vom Roten Kreuz und der Polizei im Einsatz. Die
Hotelgäste konnten schon wenige Stunden später, gegen 6 Uhr, wieder auf
ihre Zimmer zurück.

Schnell war auch klar, dass vermutlich
Brandstiftung die Ursache für das Feuer war, nicht zuletzt ein am
Tatort aufgefundener Benzinkanister brachte die Ermittler auf diese
Idee. Mehr konnte und wollte gestern der zuständige Kripo-Kommissar
jedoch nicht sagen. Auch ob es schon Anhaltspunkte für ein mögliches
Motiv gebe, ließ der Fahnder offen. Die Ermittlungen gehen in alle
Richtungen, der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Euro
geschätzt.

Hotelgast Reiko Papendick aus Bad Arolsen in Hessen
wird diese Nacht so schnell nicht vergessen, dennoch werde er seinen
Aufenthalt in Günzburg noch genießen: „Zum Glück ist alles so
glimpflich abgegangen. Der Einsatz der Feuerwehr war wirklich
beeindruckend.“

Aus dem Tiefschlaf wurden die Hotelgäste gerissen
und evakuiert. Der Brand in dem Friseursalon beim Mercure-Hotel war
gegen 3.10 Uhr von einem Hotelgast bemerkt worden, der Rettungseinsatz
verlief problemlos. Die Kripo geht davon aus, dass das Feuer
absichtlich gelegt worden ist. Ein Indiz dafür ist ein Benzinkanister,
der mitten in dem ausgebrannten Laden stand (mittleres Bild).

Das
Mercure-Hotel am Günzburger Hofgarten musste wegen eines Brandes in der
Nacht zum Montag komplett evakuiert werden, da die Rauchentwicklung
sehr stark war. Schon nach wenigen Stunden konnten die Hotelgäste
jedoch wieder auf ihre Zimmer zurück.

Bilder: März

Aus Günzburger Zeitung vom 23.05.2006