Haus wird ein Raub der Flammen

Familie wollte in Kürze in das Reihenhaus einziehen ­ Feuerwehr rettet Nachbarhaus

Von unserem Redaktionsmitglied Alf Geiger

Günzburg

Nach monatelangen Renovierungsarbeiten wollte die Familie in den nächsten Tagen in das Reiheneckhaus im Wohngebiet „Auf dem Gries“ einziehen ­ gestern standen die Besitzer vor den rauchenden Trümmern ihres Hauses. In der Nacht zum Freitag gegen 3.15 Uhr wurde ihr Haus ein Raub der Flammen, die Brandursache war vermutlich ein technischer Defekt. Rund 130 Retter mehrerer Feuerwehren waren im Einsatz und schafften es, ein Übergreifen des lichterloh brennenden Feuers auf das Nachbarhaus zu verhindern.

Die neue Küche war schon fix und fertig eingebaut, die neuen Türen stellte der stolze Hausbesitzer extra noch von der Garage ins Innere des Hauses ­ damit sie nicht nass werden. Gestern stand die Familie vor dem Nichts, von ihrem mit viel Aufwand und Arbeit renovierten Reiheneckhaus sind nur noch rauchende Trümmer übrig.

Ein Nachbar war von einem Knistern aufgewacht und hatte gegen 3.15 Uhr aus dem Schlafzimmerfenster Rauch entdeckt, der aus dem Dachstuhl des Hauses drang. Er alarmierte sofort Polizei und Feuerwehr und Günzburgs Feuerwehr-Kommandant Christian Eisele ­ er wohnt nur einen Katzensprung entfernt in der Donaugasse ­ war als einer der ersten vor Ort. Als die ersten Feuerwehrfahrzeuge am Brandort eintrafen, stand schon der komplette Dachstuhl des Reiheneckhauses in hellen Flammen. Rund 130 Einsatzkräfte der Feuerwehren Günzburg, Reisensburg, Wasserburg und der Werksfeuerwehr des BKH waren vor Ort und gaben ihr Bestes, damit der Brand nicht auch noch auf das bewohnte Nachbarhaus übergreifen kann. Ausgebrochen war das Feuer im südlichen Gebäudeteil, das ohne Brandschutzwand mit dem mittleren Reihenhaus zusammen gebaut ist.

Es war ein extrem schwieriger Einsatz, gab Einsatzleiter und Feuerwehr-Kommandant Christian Eisele gestern zu ­ nicht nur, weil alle Hilfsmittel von den Rettern per Hand zum Unglücksort getragen werden mussten, da die Zufahrtswege sehr eng sind.

Angesichts des in Sekundenschnelle um sich greifenden Feuers mussten sich die rund 20 geschulten Retter mit schweren Atemschutzgeräten direkt zu den Feuernestern buchstäblich vorkämpfen. Nicht nur Feuerwehrmänner wissen, dass dies eine anstrengende und obendrein sehr gefährliche Aufgabe ist. Eisele bescheiden: „Das ist unser Job, da wird nicht lange gefackelt“.

Dramatische Szenen

Der Einsatz hatte Erfolg, die Flammen griffen letztlich nicht auf das unmittelbar angrenzende Wohnhaus über. Die vier Hausbewohner wurden von den Rettern aus dem Schlaf gerissen und mussten sicherheitshalber zu ihrem eigenen Schutz ihre Wohnung verlassen. Dabei spielten sich laut Augenzeugen dramatische Szenen ab: Eine Hausbewohnerin musste von den Rettern mit vereinten Kräften daran gehindert werden, in das brennende Haus zurück zu rennen. Die Frau war total verzweifelt vor Angst um ihre Katze, die sie in den Flammen vermutete und retten wollte. Die anwesenden Rot-Kreuz-Retter und ein Notarzt kümmerten sich auch um die Katzenliebhaberin und beruhigten sie. Wie sich später heraus stellte, hat das Tier den Brand überlebt.

Experten der Kripo Neu-Ulm waren gestern vor Ort, um Hinweise auf eine mögliche Brandursache zu finden. Ein technischer Defekt gilt als wahrscheinlichste Ursache, die Ermittlungen laufen aber noch. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Sachschaden auf rund 100 000 Euro.

Gegen 3.15 Uhr in der Nacht zum Freitag wurde die Feuerwehr alarmiert: Dieses Reiheneckhaus im Wohngebiet „Auf dem Gries“ in Günzburg stand in Flammen (linkes Bild). Dem beherzten Eingreifen der Retter ist es zu verdanken, dass das bewohnte Nachbarhaus nicht auch noch den Flammen zum Opfer fiel.

Bilder (3): Dieter März

In den nächsten Tagen wollten die Hausbesitzer einziehen, nachdem sie monatelang jede freie Minute in die Renovierung ihres Reiheneckhauses gesteckt hatten. Gestern standen sie vor den rauchenden Trümmern. Der Schaden wird auf rund 100 000 Euro geschätzt, so die Polizei. Die Brandursache steht noch nicht fest, ein technischer Defekt gilt jedoch als wahrscheinlich.

Aus Günzburger Zeitung vom 05.11.2005